Der IFK – Von einer Interessengemeinschaft zum Bundesverband

Die Gründerjahre 1981–1990
Im Interesse freiberuflicher Krankengymnastik wurde vor 25 Jahren in Düsseldorf der IFK gegründet. Die Notwendigkeit lag auf der Hand, da einerseits die bestehenden Verbände VDB, VPT und ZVK kein Know-how für eine KG-Praxis hatten, andererseits in der Verbandslandschaft der Spezial-Verband fehlte, der ausschließlich und ohne Einfluss Angestellter oder Masseure die berufsspezifischen Interessen freiberuflicher KG vertrat. Es waren engagierte Kolleginnen und Kollegen, die sich in rasch steigender Zahl im Bereich Rhein-Ruhr trafen und ihre wichtigen Wünsche artikulierten:

  1. Vertragssicherheit mit den Kostenträgern und, auf dieser Basis, vernünftige Gebührenabschlüsse.
  2. Betriebswirtschaftliche Grundlagen für die Praxis und Kassenverhandlungen.
  3. Ein Berufsgesetz, das Masseure nicht mit KG gleichsetzt.
  4. Presse und Öffentlichkeitsarbeit, die den Stellenwert der KG im deutschen Gesundheitswesen hervorhebt.

Erste Schritte
Mit Dr. Dieter Gobbers wurde ein juristischer Fachmann für unsere Belange engagiert und mit Gerd Schumacher ein Wirtschaftjurist, der die betriebswirtschaftliche Seite aufbereitete. Die ersten Jahre wurden vorstandsseitig von Ursula Steyer (Duisburg), Beate Kahlert und Gabriele Kiesling (beide Düsseldorf) geleitet; eine Geschäftsstelle gab es bald in Düsseldorf. Die Vorstandsarbeit war ehrenamtlich, später konnten geringe Aufwandsentschädigungen gezahlt werden. Wir trafen uns oft erst ab 20:30 Uhr und arbeiteten bis tief in die Nacht mit Feuereifer, Esprit und zunehmendem Erfolg. Wir Vorstandsfrauen hatten damals alle winzig kleine Kinder, einen Haushalt und schon größere Praxen mit Mitarbeitern.

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Gespräch im Bundesgesundheitsministerium über die Inhalte des neuen Berufsgesetzes für Physiotherapie mit der zuständigen Ministerin Prof. Rita Süßmuth

Ergebnisse der ersten Verbandsjahre:

  • ad 1) Der Gebührenvertrag mit den Düsseldorfer RVO Kassen war abgelaufen, ein Verhandlungstermin nicht zu bekommen. Daraufhin praktizierten die Düsseldorfer IFK-Praxen (immerhin 90% aller) den vertragslosen Zustand. Unsere Patienten wurden mit juristisch fundierten Schreiben informiert. Sie bezahlten ihre Gebühren-Kassenleistungen – plus 10% – direkt bei uns und ließen sich diese Gebühren an den Schaltern ihrer Kassen auszahlen. Der Spuk dauerte mit Unterstützung der örtlichen Presse drei Tage. Dann beeilten sich die Kassenvertreter, mit uns einen ordentlichen Gebührenabschluss zu tätigen. Das sprach sich rum. In den folgenden Jahren wurde der IFK Vertragspartner auf Bundesebene.
  • ad 2) Erste Wirtschaftsseminare und Umfragen wurden durchgeführt und unter kartellrechtlichen Überlegungen Ideen zur Privatliquidation erarbeitet. Eine moderne Gebührenordnung (BEMA-KG) wurde durchgesetzt, die später zur Einführung der Befund- und Zertifikatpositionen führte.
  • ad 3) Hintergrundgespräche mit der damaligen Ministerin für Gesundheit, Prof. Rita Süßmuth, sowie die Teilnahme und  Stellungnahmen des IFK im Anhörungsverfahren, hatten großen Einfluss auf das neue Berufsgesetz. Insbesondere war ab jetzt klar: „Masseure sind  keine Krankengymnasten!“. Krankengymnastik ist kein „Learning-by-doing-Beruf“, sondern einer, der im internationalen Vergleich in Deutschland nachrangig behandelt wurde.
  • ad 4) Der erste IFK-Kongress „KG ist Kostendämpfung“ in Düsseldorf setzte neue Maßstäbe für freiberufliche KGs. Neben Fachthemen, insbesondere die juristische Stellung der Praxen, wurden die wirtschaftlichen Konsequenzen dargestellt und dies interessiert von Hörfunk und Printmedien aufgegriffen. Es gab einen Pressedienst (KID), sowie das Fachmagazin KG-Intern, dass wir an alle KG-Praxen in Deutschland schickten. Der WDR bat mich häufig zum Interview über die MEDICA, Rückenschule, Arbeitsmedizin etc.
Klaus Eder, IFK-Mann der 1. Stunde, wechselte vom Deutschen Fecht- zum Deutschen Fußball-Bund und leistete maßgebliche Arbeit als Krankengymnast in der Sportphysiotherapie. Durch seine Medienpräsenz und sein überdurchschnittliches Können hat auch er bis heute die PR des Verbandes unterstützt.

Mit Prof. Dr. Horst Bourmer konnte der IFK-Vorstand einen gewichtigen Ärztefunktionär für den Beirat seiner Zeitung gewinnen. Als Vorsitzender des Hartmann-Bundes, sowie der Ärztekammer sagte er: „Arzt und KG sind komplementär. Ohne die KG bleibt die ärztliche Leistung unvollständig.“ Das fand Gehör im deutschen Gesundheitswesen.

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Pressegespräch mit der medizinischen Abteilung des DFB (von links: Gabriele Kiesling, Klaus Eder, Hans-Jürgen Montag, Prof. Hess)
Interview mit dem Teamchef des Deutschen Fußballbundes Franz Beckenbauer zur Berufung des ersten Krankengymnasten Klaus Eder in das medizinische Team vor der Europameisterschaft 1988 in Deutschland

Dank und Glückwunsch
Anfang der 90er Jahre zog ich mich aus der aktiven Verbandsarbeit zurück. Natürlich verfolge ich kritisch die Verbandsarbeit weiter, da ich ja die Konsequenzen positiv wie negativ in meiner eigenen Praxis erlebe. Durch Einführung von QM und Zertifizierung, moderner EDV-Strukturen und engagierter Mitarbeiterinnen in meiner Praxis, blicke ich zuversichtlich auf meine letzten Berufsjahre. Den überdurchschnittlichen Erfolg meiner über 32-jährigen Praxisführung verdanke ich aber insbesondere den mich prägenden Jahren beim IFK. Dafür bin ich sehr dankbar, wünsche dem heutigen Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten „Glück auf“ und „ad multos annos“.

Gabriele Kiesling